Die Vermessung des Windes


Oldenburger Forscherteam entwickelt im europäischen Verbund innovative Messtechniken

Das Zentrum für Windenergieforschung (ForWind) am Standort der Universität Oldenburg ist eine von zehn Ausbildungsstätten im Aus- und Weiterbildungsprogramm LIKE (LIdar Knowledge Europe). LIKE fördert die Ausbildung und das Training von 15 Nachwuchsforschenden mit dem Ziel, innovative laserbasierte Windmesstechnologien zu entwickeln. Das Programm wird als sogenanntes Innovative Training Network (ITN) im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen von der EU über vier Jahre gefördert.

Für den effizienten Betrieb von Windenergieanlagen und Windparks sind exakte Kenntnisse der Windbedingungen notwendig. Mit dem Wissen darüber, wann und wo der Wind mit welcher Geschwindigkeit weht, lassen sich beispielsweise Windparks optimieren, einzelne Anlagen effizienter betreiben und Vorhersagen der Anlagenleistung verbessern. Bei der Windmessung haben sich in den vergangenen Jahren Fernerkundungstechniken, sogenannte Lidar-Geräte bewährt (Lidar steht für „LIght Detection And Ranging“). Das Messverfahren funktioniert ähnlich wie die Radarfalle bei der Verkehrskontrolle, nur dass hier nicht die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer gemessen wird, sondern die Geschwindigkeit winziger Partikel und Tröpfchen, die sich in der Luft befinden und vom Wind transportiert werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen großes Potenzial in der Optimierung dieser Messtechnik und vielfältige Anwendungsmöglichkeiten im industriellen Bereich. Im Trainingsnetzwerk LIKE werden die Nachwuchsforschenden im Rahmen ihrer Doktorarbeiten daran forschen, die Technologie zu verbessern und zu verfeinern und in neuen Anwendungsbereichen zu testen.

Arjun Anantharaman ist einer der LIKE-Doktoranden und hat im Februar seine Forschungsarbeiten bei ForWind begonnen. „In meiner Doktorarbeit befasse ich mich mit Doppler-Lidar-Messungen für die Erfassung von Nachlaufströmungen, die hinter Windenergieanlagen auftreten. Diese Strömungen sind gekennzeichnet durch größere Turbulenzen und niedrigere Windgeschwindigkeiten. Beides ist von Nachteil für die Lebensdauer beziehungsweise die Leistung der nachstehenden Anlagen, auf die sie treffen“, so Anantharaman. „Ich will versuchen, diese Messungen über größere Distanzen hinweg zu verbessern. Dies kann uns ein besseres Verständnis der Nachlaufphänomene und ihrer Interaktion mit Windenergieanlagen und Windparks liefern und die weitere Analyse von Lidar-Daten in diesem Anwendungsgebiet voranbringen.“

„Für die Universität Oldenburg ist das Netzwerk LIKE eine Chance, sich im Bereich der Windenergieforschung noch besser zu vernetzen. Im Rahmen des Programms wird es einen regen Austausch von Wissen und technischen Erkenntnissen über die Fachdisziplinen hinweg geben. Dadurch und auch durch ihre Forschungsaufenthalte bei Projektpartnern werden unsere Doktorandinnen und Doktoranden enge Beziehungen zwischen Wissenschaft und Industrie aufbauen“, sagt Prof. Dr. Martin Kühn, Leiter des Arbeitsbereichs „Network Training“ in LIKE.

Partner in LIKE:

Technische Universität Dänemark, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Deutschland), Universität Bergen (Norwegen), Universität Stuttgart (Deutschland), Politecnico di Milano (Italien), Universität Porto (Portugal), Universität Stavanger (Norwegen), Hochschule Flensburg (Deutschland), Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (Deutschland) und die UL International GmbH (Deutschland).

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